Im Zuge der Frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung für die Parkstadt Süd hat der Bürgerverein eine Stellungnahme erarbeitet.
Gerne stellen wir diese Gedanken hier den Bürgern vor.
- Dimension und Abstand der Gebäudekörper
Wie bereits zu vorangegangenen Öffentlichkeitsbeteiligungen im Rahmen des kooperativen Verfahrens vorgetragen, erscheinen uns die Ausdehnungen der Gebäudekörper insbesondere auch im Quartier Parkstadt grenzwertig groß konzeptioniert. Die zahlreich beabsichtigte Überlagerung von Abstandsflächen (gemäß Integrierter Planung) sehen wir mit großer Skepsis.
Wir befürchten Häuserschluchten mit starker Verschattung, die sowohl nachteilige Auswirkungen auf den öffentlichen Raum als auch für die Belichtung der Wohnnutzungen erwarten lassen. Der großzügig dimensionierte Innere Grüngürtel ist ein Segen für die angrenzenden Stadtquartiere, kann aber Qualitäten innerhalb der Neubauquartiere nicht völlig kompensieren.
Wir regen daher dringend an, die Abstände und Straßenräume zwischen den Blockrändern an den kritischen Punkten („Gassen“) etwas aufzuweiten und insgesamt eine starke Begrünung des öffentlichen Raumes mit großzügigen Baumpflanzungen vorzusehen. Überdies empfehlen wir, innerhalb der Blockbebauungen Baumpflanzungen mit Anbindung an das Erdreich vorzusehen (Bauminseln), damit sich auch in den Höfen großzügiger Baumbestand entwickeln kann.
- Parkraum für die künftigen Bewohner der Parkstadt Süd
Aus den vorgestellten Plänen entnehmen wir, dass für die ca. 3.300 Normwohneinheiten bzw. ca. 7.590 Einwohner und 4.000 Arbeitsplätze in der Parkstadt Süd etwa 1.500 Parkplätze in den beiden im Hochbau geplanten Mobility Hubs sowie weitere – noch nicht bezifferte – private Parkplätze in den eingeschossigen Tiefgaragen der mit den Ziffern 23 (KITA), 25, 29, 30, 32, 33 (SechtM) und 36 (Bildungslandschaft) bezeichneten Gebäuden geplant sind. Hinzu kommen noch zwei Quartiersgaragen, auf die wir noch separat eingehen möchten. Dieses bedeutet im Umkehrschluss, dass von den insgesamt über 30 geplanten Gebäuden offenbar mehr als 20 ohne Tiefgaragen vorgesehen sind. Wir halten das für hochproblematisch. Es ist zu erwarten, dass Eigentümer oder Mieter der Wohnungen in der Parkstadt Süd auf die Anschaffung eines (batterieelektrischen) PKW nicht in dem Maße verzichten werden, wie dieses politisch gewünscht ist, und somit eine Unterversorgung an Parkraum entstehen könnte.
Auch für Fahrräder sind wohnungs- bzw. arbeitsplatznahe, Diebstahl- und Vandalismus-gesicherte sowie bequeme Unterstellmöglichkeiten in Tiefgaragen erforderlich, um die Nutzung von Fahrrädern und Lastenfahrrädern zu motivieren und um die architektonische Wirkung des neuen Stadtteils nicht von vornherein durch ungeordnetes Abstellen von Fahrrädern zu beeinträchtigen. Auch das Laden von Elektrofahrrädern lässt sich nur durch gesicherte Abstellplätze in einer Tiefgarage ermöglichen.
Wir geben ferner zu bedenken, dass bei einem Parkraumangebot über Quartiersgaragen die Erreichbarkeit von Wohnungen längere Fußwege mit sich bringt (Einschränkung der barrierefreien Erreichbarkeit!) und die Einrichtung von Behindertenstellplätzen nahe der Wohnungszugänge provoziert. Separate Parkhäuser beanspruchen zudem ergänzende Bodenflächen und bei öffentlicher Nutzung einen sehr hohen Pflege- und Unterhaltungsaufwand, damit sie nicht zu Schandflecken und Angsträumen verkommen. Ein weiteres Problem: Entkoppelt man die Eigentumsverhältnisse von Parkangeboten und Wohn- bzw. Gewerbenutzungen gänzlich, so entscheidet die Preispolitik des Parkhausbetreibers maßgeblich mit über die Attraktivität der Hauptnutzungen!
Wir regen daher dringend an, dass mindestens eingeschossig möglichst natürlich belüftete Parkebenen unterhalb der Wohnbaukörper angeordnet werden (Wohnungen EG als Hochparterre ausbilden), die zumindest Teile des Bedarfs innerhalb der Häuser und im selbigen Eigentum als Herstellerpflicht des jeweiligen Investors abdecken. Darüber hinaus sollte dann eine verringerte Anzahl an Mobilitäts-Hub das Angebot insbesondere auch für die gewerblichen Nutzungen ergänzen. So könnte ein dezentrales wohnortnahes Mindestangebot die barrierefreie Erreichbarkeit, individuelle Ladeinfrastrukturen für batterieelektrische PKW und Fahrräder, sichere Wegebeziehungen, etc. sicherstellen. Dieses wird dann durch ein flexibel anpassbares Angebot an öffentlichem Parkraum und Mobilitätseinrichtungen in Quartiersgaragen ergänzt. Letzteres müsste dann weniger Bodenfläche beanspruchen (und ließe alternativ mehr Wohnbebauung zu) und wäre insgesamt deutlich wirtschaftlicher, da Betreiberkosten einfacher zuordbar wären, auf teure mehrgeschossige Parkhäuser und Tiefgaragen verzichtet werden kann, die Attraktivität der Wohnungen sich erhöht und insgesamt mehr höherwertig nutzbare Flächen geschaffen würden.
Als Bürgerverein des angrenzenden Bayenthals fürchten wir insbesondere eine Unterversorgung des Parkraumangebotes insgesamt, das zu einem Anstieg und Verlagerung des ruhenden Verkehrs in die umliegenden Viertel führen könnte. Alle die Parkstadt Süd umgebenden Viertel sind aber bereits heute starkem Parkdruck durch die dort Wohnenden ausgesetzt. Wir appellieren daher an die für die Planung Verantwortlichen, die Anzahl der Tiefgaragenplätze deutlich zu erhöhen, so dass zumindest insgesamt den Empfehlungen der Stellplatzsatzung ohne Abschläge gefolgt wird.
- Parkraum und Lademöglichkeiten für die an die Parkstadt Süd angrenzenden Viertel
Wie oben bereits angesprochen, herrscht in den die Parkstadt Süd umgebenden Vierteln bereits heute erheblicher Parkdruck. Öffentliche Lademöglichkeiten für batterieelektrische Fahrzeuge sind begrenzt; es gibt nur 4 öffentliche Ladepunkte entlang der Goltsteinstraße und 2 in der Tacitusstraße. Im Stadtteil Bayenthal zum Beispiel wird seit Jahren vergeblich der Bau einer Quartiersgarage gefordert. Auch in der BV 2 wurde diese Thematik bereits mehrfach erörtert. Mit dem Bau der unmittelbar angrenzenden Bildungslandschaft ergibt sich nun die einmalige Chance, die Situation besonders im nördlichen Bayenthal zu entlasten oder sogar Parkraum z.B. entlang der Goltsteinstraße zur Besserung der dortigen Aufenthaltsqualität und Entschärfung von Engpässen umzulagern. Eine zu knappe Bemessung der Parkplätze für die Bewohner der Parkstadt Süd (siehe oben) würde diese Chance jedoch ausschließen, ja in ihr Gegenteil verkehren. Anstatt die Bewohner Bayenthals zu unterstützen, würden sie durch den Export des von der Parkstadt Süd ausgehenden Parkdrucks in ihr Viertel sogar noch mehr belastet als heute. Wir appellieren daher an die für die Planung Verantwortlichen, die Zahl der Parkraumangebote in den Quartiersgaragen und im Umfeld der Alteburger Straße ausgesprochen großzügig zu dimensionieren und mit öffentlichen Ladepunkten auszustatten.
- Bildungslandschaft
Wir begrüßen die planerische Berücksichtigung eines ausreichenden Schulangebotes für die Parkstadt Süd als auch für die umliegende Quartiere. Die Homogenität des Bildungsangebotes (klassische Schulformen) sowie deren räumliche Konzentration erscheint uns jedoch höchst problematisch. Während zu Schulzeiten und insbesondere zum täglichen Schulbeginn und -ende, eine erhebliche Belebtheit des öffentlichen Raumes und vermutlich Überlastung der Verkehrsinfrastruktur eintreten wird, kehrt sich dieses außerhalb der Schulzeiten ins Gegenteil. Diese schwankende Beanspruchung dürfte nicht nur den ÖPNV und gastronomische Angebote in der Nachbarschaft überfordern, sondern auch zu verwaisten Straßenabschnitten in Ferienzeiten führen. Auch könnte die aus den Planungen erkennbare Blockrandbebauung diesen Eindruck verstärken, die sich nach außen „verschlossen“ und abweisend präsentiert.
Die Qualität der benachbarten Quartiere wird gerade von der guten Durchmischung bestimmt (insbesondere Fachhochschule, Gastronomie und Wohnen in der Südstadt; Schulen, Einzelhandel und Wohnen in Bayenthal). Eine solche Durchmischung sollte auch Ziel bei den Planungen der Parkstadt sein und für Heterogenität sorgen. Nachdem sehr frühe Überlegungen zur Umsiedelung (von Teilen) der Fachhochschule schon vor Jahren verworfen wurden, erkennen wir keine Vorteile mehr darin, eine solch große zusammenhängende Fläche überwiegend einer Nutzung zuzuschreiben. Das KITA- und Schulangebot sollte vielmehr über die gesamte Entwicklungsfläche mit dezentraler Anbindung an Verkehrsinfrastrukturen verteilt werden.
- Sporthalle in der Bildungslandschaft
Mit Freude haben wir in den uns verfügbaren Plänen gesehen, dass eine Sporthalle im Bereich der Bildungslandschaft vorgesehen ist. Wir appellieren an die für die Planung Verantwortlichen, sicherzustellen, dass diese Sporthalle für Drittnutzer (vor allem Sportvereine, aber auch die Öffentlichkeit) verfügbar gemacht wird. Dazu gehört auch, dass die Planung so erfolgt, dass Erschließung und Zuwegung in einer Art und Weise geplant werden, die die Nutzung durch Dritte außerhalb der Schulzeiten unproblematisch ermöglicht.
Besser noch als eine Sporthalle, die für Drittnutzer geöffnet wird, wären allerdings mindestens zwei räumlich getrennte (Mehrzweck-) Hallen mit angrenzendem Parkraumangebot (Fahrräder, PKW und ggf. auch Busse) für Gäste. Aus den uns vorliegenden Unterlagen ergibt sich, dass die integrierte Planung im Bereich der Bildungslandschaft eine 6- (Sekundarstufe I) bzw. 5-zügige (Sekundarstufe II) Gesamtschule und eine 3-zügige Grundschule vorsieht. Im Bereich des Quartiers Marktstadt ist eine weitere Grundschule, 4-zügig, angedacht. Aus einer Grobrechnung ergibt dieses insgesamt etwa 2.200 Schüler und Schülerinnen[1], die bei nur 2 Schulstunden Sport in der Woche damit knapp 120 Stunden[2] der geplanten Sporthalle bereits belegen würden. Gerechnet von 08h. bis 22h. hat eine 5-Tage-Woche aber nur 70 Stunden. Allein aus dieser Grobrechnung ergibt sich, dass eine Sporthalle selbst nur für den Schulsport unzureichend wäre und eine dringend benötigte Nutzung durch Sportvereine – abgesehen von den Schulferien – ausschließen würde.
- Stadtbahnplanungen
Die derzeitige Konzeption sieht eine mögliche Stadtbahntrasse aus Westen kommend mit Endhaltestelle an der Markthalle vor. Diese Überlegung erschließt sich uns nicht, da doch die Anbindung an das übrige Stadtbahnnetz damit dauerhaft verbaut wäre. Zudem würde eine solche neue Stadtbahnstrecke nicht die Bildungslandschaft erreichen und die Erschließungswirkung wäre, ausgenommen für das Quartier Parkstadt, eher mäßig. Dies gilt insbesondere auch für die bestehenden südlich angrenzenden Viertel. Wir raten daher dringend an, den Platzbedarf für eine solche Trasse entlang der Marktstraße zu berücksichtigen mit der Option, diese entweder später auf die Nord-Süd-Stadtbahn an der Bonner Straße verschwenken zu können oder gar über die Schönhauser Straße bis zum Rhein fortzusetzen. Bis die Anbindung der Parkstadt Süd an die Stadtbahn sichergestellt ist, schlagen wir eine die Parkstadt Süd in Ost-West-Richtung querende Busverbindung zur Anbindung an das bestehende Stadtbahnnetz vor, z.B. im verknüpfenden Shuttle zwischen der Stadtbahnlinie am Höninger Weg, den Stadtbahnlinien auf der Bonner Straße und den Stadtbahnlinien am Rheinufer.
- Fahrrad- und Fußwege im Inneren Grüngürtel
Gemäß den Ausführungen der Landschaftsarchitekten (während der Veranstaltung zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung) sind lediglich „kombinierte“ Wegeführungen durch den Grünzug für Fußgänger und Radfahrer vorgesehen. Der „Hauptradverkehrsweg“ bzw. eine Radtrasse in Ost-West-Richtung soll demnach nördlich der Bahntrasse entlang des Bonner Walls ausgebaut werden. Damit würde die Planung einer Radtrasse entlang der nördlichen Grenze des neuen Inneren Grüngürtels gemäß beschlossenem Radverkehrskonzept Innenstadt in Frage gestellt.
Wir appellieren an die Verantwortlichen, an einer gesonderten Radtrasse durch die Grünanlage festzuhalten und diese möglichst störungsfrei entlang der Bahntrasse anzusiedeln. Idealerweise würde diese gemäß Konzept an die Südbrücke angebunden und westlich durch den Grüngürtel fortgesetzt.
Es ist nicht nachvollziehbar, weswegen Radverkehre in Köln immer in Konkurrenz zu anderen Verkehrsteilnehmern treten müssen. Entlang des Bonner Walls sind zahlreiche Kreuzungspunkte zu überwinden, der begrenzte Straßenraum für Radwege zu Lasten anderer Teilnehmer neu zu gliedern und Konflikten mit Anlieferverkehren auszuweichen. Weichen Radfahrer (mit einem vermutlich hohen Anteil an Schülern) dieser Hindernisstrecke indes auf kombinierte Wege im Grüngürtel aus, gefährden sie die dortigen Fußgänger. Zwar lässt sich an gegenseitige Rücksichtnahme appellieren, aber zunehmend elektrisch unterstütze Zweiräder neigen nun mal zu höheren Geschwindigkeiten. Ein separater Radweg, wie auch im Vorgebirgspark, würde solche Konflikte vermeiden, ein Angebot auch für Inlineskater etc. schaffen, den Park beleben und eine äußerst attraktive Wegestrecke darstellen!
Wir appellieren ferner dafür, dass die wesentlichen Rad- und Fußwege durch den Inneren Grüngürtel nachts beleuchtet werden, um eine attraktive und sichere Nutzung auch zu Winterzeiten und am Abend zu gewährleisten. Dies betrifft insbesondere die am nördlichen Rand verlaufenden Hauptwege in Ost-West-Richtung sowie die Querungen, die sich auch in die angrenzenden Quartiere fortsetzen.
- Einzelhandel und Gastronomie
Den bisherigen Planungen sind bislang nur wenige Angaben zur beabsichtigten Ansiedlung von Einzelhandels- und Gastronomieangeboten zu entnehmen. Wir appellieren dazu, bei derartigen Überlegungen unbedingt die bestehenden Angebote aus den angrenzenden Quartieren zu berücksichtigen und einzubinden. Ein Überangebot und Konkurrenzsituationen sollten ebenso vermieden werden wie auch eine Unterversorgung. Hierbei liegt uns als Bayenthaler insbesondere das (verbliebene) Einzelhandel- und Gastronomieangebot entlang der Goltsteinstraße am Herzen, das konzeptionell mit einzubeziehen ist (wie auch z.B. im Hinblick auf die o.g. Parkraumangebote).
- Historisches Bewusstsein für 2000 Jahre Kölner Stadtgeschichte pflegen
Mit Erstaunen haben wir den umfassenden Bericht zu den Bodendenkmälern in den uns vorliegenden Unterlagen (u.a. Verwaltungsvorlage 4001/2024, Anlage 6, Punkt 3.8.2) zur Kenntnis genommen. Von eiszeitlichen Hügelgräbern, einer Haupt- und Nebenstraße und einer Nekropole der Römerzeit, einem (inzwischen aufgelassenen) jüdischen Friedhof des Hochmittelalters bis zu einem Fort der Neuzeit ist alles dabei, was die Geschichte unserer Stadt auszeichnet. Wir appellieren daher an die für die Planung Verantwortlichen, nicht nur mit diesem historischen Erbe verantwortungsbewusst umzugehen (was ohnehin gesetzlich abgesichert ist), sondern dieses historische Erbe aktiv in die entstehende Parkstadt Süd einzubeziehen. Das kann in niedrigschwelliger Form durch Erinnerungstafeln o.ä. geschehen. Wünschenswert wäre es aber, wenn eine geeignete Form gefunden würde, die Bodendenkmäler in den Untergeschossen der zu errichtenden Gebäude für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen, wie dieses z.B. in der Tiefgarage am Dom mit Teilen der römischen Stadtmauer geschehen ist.
Wir hoffen, Ihnen mit diesen Ausführungen unsere konstruktive Hinweise näher gebracht zu haben.